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Grippe auf Abwegen

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… ein Virus ist auf’s Schwein gekommen …

... Namensgeber für H1N1
... Namensgeber für H1N1

Seit der ersten medialen Coverage über die Todesfälle im fernen Mexiko, für welche als Auslöser ein neuartiges Influenzavirus verantwortlich gemacht wurde, gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Gefahr, die vom neuen Typ des H1N1 ausgeht. In der Mediensprache heißt diese möglicherweise pandemiefähige Influenza “Schweinegrippe”.

Die Symptome der neuen Grippe unterscheiden sich nicht von denen der saisonalen Influenza. Die Erkrankung geht mit Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen einher. Bisher sind Todesfälle vor allem auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten. Innerhalb der Europäischen Union wurden bislang mehr als 90 Todesfälle registriert, hauptsächlich betroffen ist Großbritannien. Deutschland konnte bisland nur einige schwere Krankheitsverläufe verzeichnen, jedoch sind Todesfälle nicht auszuschließen. Nach Angaben der WHO sind viele, aber nicht alle schweren Fälle bei Menschen mit Grunderkrankungen aufgetreten.

In Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt seit Ende April 2009 insgesamt 16.835 Fälle verzeichnet worden, davon wurden ca. 4.300 als autochthon eingestuft (Erkrankung in Deutschland erworben).[1]

Für den Impfstoff zum Schutz vor der Neuen Grippe, wurde das H1N1-Virus zunächst aus einem Patienten in Hamburg isoliert. Mit diesem “Wildtyp” begann die Entwicklung des Impfstoffes. Für die Saatvirusgewinnung benötigt man jedoch ein sogenanntes “rekombinantes” Virus, d.h. man schleust die charakteristischen Hüllproteine in einen weit weniger virulenten und gut charakterisierten Influenza-Stamm ein. Man braucht ja sowieso nur die Typen des Hämagglutinin (HA) und der Neuraminidase (NA), von denen es jeweils 8 bzw. 15 bekannte Subtypen gibt. Das A/California/4/2009 (H1N1) ist eben einfach ein Virus aus diesem untereinander genetisch verwandten “Virusbaukasten”, nicht mehr und nicht weniger.

Der Schweinegrippeimpfstoff unterscheidet sich ja im Grundsatz nicht großartig vom saisonalen Grippeimpfstoff (außer, dass er nur aus dem A/H1N1-Stamm besteht und nicht wie üblich aus 2 verschiedenen A- und einem B-Stamm), also wird er auch klinisch wie ein saisonaler Impfstoff geprüft.

Der normale Impfstoff für die Saison 2009/2010 besteht empfehlungsgemäß aus:[2]

  • einem A/Brisbane/59/2007 (H1N1)-ähnlichem Virusstamm (Reassortante IVR-148, abgeleitet von A/Brisbane/59/2007)
  • einem A/Brisbane/10/2007 (H3N2)-ähnlichem Virusstamm (Reassortante NYMC X-175C, abgeleitet von A/Uruguay/716/2007)
  • einem B/Brisbane/60/2008-ähnlicher Virusstamm (B/Brisbane/60/2008, oder Reassortante NYMC BX-31 oder NIB-58, beide abgeleitet von B/Brisbane/60/2008)

Der Pandemie-taugliche Stamm ist der A/California/4/2009 (H1N1). Der Unterschied zwischen den üblichen saisonalen Influenzaviren und dem A/California H1N1 ist a) das Genmaterial (es ist tierisches Material vom Schwein und von Vögeln dabei), b) die Virulenz (die Verbreitung geschieht weitaus schneller) und c) das Letalitätsprofil: es sind bevorzugt junge, prinzipiell gesunde Leute betroffen und ganz besonders Schwangere scheinen gefährdet. Insofern ist der Grippeimpfstoff nicht neuer als jeder neue saisonale Grippeimpfstoff mit einem Unterschied: A/Brisbane H1N1 ist eben nicht so virulent wie A/California H1N1.

Wichtig ist zu wissen, daß die Letalitätsrate einer Grippeimpfung praktisch bei Null liegt. Das ist nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen hält, daß im Impfserum kein ganzes Virus enthalten ist. Es werden bei der Grippeimpfung entweder Spaltviren (d.h. Virusteile) oder sogar nur die beiden Oberflächenantigene HA und NA verabreicht. Ein Restrisiko besteht, wie bei jedem Eingriff in den menschlichen Organismus — doch für die Beratung ist der Hausarzt zuständig. Daß der Impfstoff jedoch die erwünschte Immunantwort erzielen wird, steht außer Frage; in den Zulassungsstudien geht es hauptsächlich um die Dosisfindung. Der Vorwurf, daß der H1N1-Impfstoff also ungetestet ist und mit der Massenimpfung ein Massentest an menschlichen Versuchsobjekten einhergeht, ist unhaltbar.

Links:

Quellennachweise:

  1. http://www.rki.de/cln_160/nn_200120/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/Schweineinfluenza__Situation.html []
  2. http://www.pei.de/DE/infos/fachkreise/impf-fach/influenza-saisonal/influenza-saisonal-2009-2010-inhalt.html []

2 Kommentare auf 'Grippe auf Abwegen'

  1. avatar Hygieia says:

    Die Tests mit den A/H1N1 Impfstoffen sind insofern unvollständig und lückenhaft, als die bisherigen Studien mit H5N1 durchgeführt wurden, manchmal mit letalem Ausgang. Für den Pandemie-Impfstoff wurde das Virenmaterial ausgetauscht. Die Studien wurden zwar von den Zulassungsbehörden behandelt als beträfen sie A/H1N1, aber das ist nicht korrekt.

    Die Zahl der Studienteilnehmer, selbst wenn man die A/H1N1 und H5N1 Studien zusammennimmt, ist noch zu gerng, um aussagefähige Ergebnisse zu erhalten. Wenn die bisherigen Ergebnisse als ausreichend gelten würden, hätte die FDA die Wirkverstärker zugelassen. Hat sie aber nicht. Und so besteht bei den Herstellern ein grosses Interesse an weiteren Studien. Die gerade in Europa begonnen haben.

  2. avatar Redaktion says:

    Kannst Du bitte die Hinweise auf letale Studienergebnisse verlinken. Die FDA ist im Prozeß der Zulassung. Es werden in den USA bereits Produktionstätten gebaut und die USA hat bereits Adjuvanzien erworben, damit im Notfall ausreichend Impfserum hergestellt werden kann.

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