… wie das Internet Impfmüdigkeit fördert
Ein kleiner Stich - eine große Wirkung
Deutschland ist in den Fokus der Weltgesundheitsorganisation WHO geraten, welche der allgemeinen Impfmüdigkeit hierzulande kein Verständnis entgegenbringt. Die WHO sieht ihre Präventionsziele, beispielsweise die Ausrottung der Masern bis 2010 in Europa, nicht unwesentlich durch deutsche Impfgegner gefährdet. Vor allem im Internet werden kontroverse Diskussionen auf emotionaler Basis zu Impfrisiken geführt.
Wissenschaftler vom Zentrum zur empirischen Analyse gesellschaftlich relevanter Fragestellungen aus dem Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (CEREB) der Universität Erfurt hatten den Zusammenhang von Impfkritik im Internet und Impfverhalten zum Gegenstand einer Studie, da das Internet als ständig verfügbares, immer häufiger genutztes Medium vielen Laien auch bei der Suche nach medizinischen Informationen behilflich ist. Verschiedene Publikationen machen u.a. das Internet für einen Rückgang von Impfquoten verantwortlich. Daher sollte diese Studie untersuchen, inwiefern der Besuch impfkritischer Internetseiten die Wahrnehmung von Risiken des Impfens und einer Erkrankung beeinflußt.
Die Psychologen Dr. Cornelia Betsch, Dr. Frank Renkewitz, Professor Tilmann Betsch und Corina Ulshofer kamen zu dem Schluß, daß bereits eine kurze Suche auf impfkritischen Seiten im Internet zu einer erheblichen Veränderung in der Risikowahrnehmung führen kann. Besonders persönliche Elternberichte über (angebliche) negative Folgen des Impfens, wie man sie in Internetforen oder auf impfkritischen Seiten finden kann, beeinflussen die Risikowahrnehmung. Dadurch sank die Bereitschaft der Probanden, gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Impfungen vornehmen zu lassen. Die Wahrnehmungsverschiebung hatte des weiteren zur Folge, daß Risiken einer Impfung als höher bewertet wurden als die Risiken einer Erkrankung. Die Untersuchung ergab auch, daß neutrale Information zu den Impfungen erst nach den Seiten der Impfgegner auf den Ergebnislisten zu finden sind.
Hier gilt es anzusetzen. Es müssen neutrale Portale geschaffen werden, die ausreichend und ansprechend über die Risiken der impfpräventablen Erkrankungen informieren. Die Adressaten sollen erkennen, daß nicht die Impfungen ihnen Schaden zufügen, sondern die mit den Erkrankungen einhergehenden Komplikationen. Dabei müssen auch gezielt die pseudowissenschaftlichen Impfkritikportale auf die hinteren Ränge in den Ergebnislisten der Suchmaschinen verwiesen werden.
Links
- Studie zur Impfwahrnehmung
- 1. Nationale Impfkonferenz
- Homepage von Dr. Cornelia Betsch
- Posterbeitrag von Cornelia Betsch
- Tagebucheintrag von Cornelia Betsch, Die Gesellschafter – vom 09.04.2009
Pressespiegel
- Ärzteblatt: Kritische Websites fördern Impfmüdigkeit


