Glaubst Du noch oder denkst Du schon?

 

11-jähriges Grippeopfer

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bitte Abstimmen)
Beitrag per e-Mail versenden

… tödlich verlaufende Influenza-B-Infektion …

Am 17.01.1997 nahm ein 11jähriges Mädchen thailändischer Herkunft am Schwimmunterricht im Rahmen des Schulsports teil. Das Mädchen hatte zuvor über Halsschmerzen geklagt. Während des Schwimmens verließen es die Kräfte, so daß es aus dem Wasser gezogen werden mußte. Am 19.01.1997 (Sonntag) wurde das Kind einem diensthabenden Arzt vorgestellt und von diesem unter der Diagnose “Virusinfekt” behandelt, offensichtlich ohne daß es Hinweise auf einen zu erwartenden ernsten Verlauf gab. Am folgenden Tage wurde das Mädchen moribund in die Praxis des Hausarztes gebracht. Dieser stellte eine Pneumonie fest und rief sofort den Notarzt. Bereits 10 Minuten nach der Einlieferung in eine nahegelegene Kinderklinik starb das Mädchen. Einstündige Reanimationsversuche blieben erfolglos.

Bei der Obduktion (21.01.1997) fanden sich eine schwere hämorrhagische Pneumonie mit Pleuraerguß (links stärker ausgeprägt) sowie eine geringe Menge eines klaren Perikardergusses. Es gab Hinweise auf eine Aspiration von Flüssigkeit. Die Schleimhaut von Trachea und Bronchien war dunkelrot ödematös und mit schleimigem Exsudat belegt. Die akute hämorrhagische Pneumonie wurde auch histologisch bestätigt. In den denudierten Alveolen fanden sich offenbar aspirierte Bakterienhaufen und um die Bronchiolen eine beginnende granulozytäre Infiltration. Daneben bestand eine eitrige Tonsilitis. – Aus dem Gewebe der linken Lunge wurde Influenzavirus Typ B angezüchtet (Nationales Referenzzentrum für Influenza am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt, Hannover). Bakteriologisch wurde massenhaft Staphylococcus aureaus aus beiden Lungen, den Pleuraexsudaten, dem Perikarderguß, der Bronchial- und Trachealschleimhauf sowei der Mundschleimhaut angezüchtet. Aus Bronchial-, Tracheal- und Mundschleimhaut sowie aus Herzpunktionsblut wurden reichlich Streptococcus pyogenes A angezüchtet. Aus der linken Lunge gelang die Anzucht von Streptococcus pyogenes A nach Anreicherung.

Zusammenfassend handelt es sich bei diesem Krankheitsbild um eine akute hämorrhagische Tracheobronchitis und Pneumonie aufgrund einer Infektion mit Influenzavirus B bei gleichzeitiger Infektion mit Staphylokokken und Streptokokken, die zu einer fulminanten Sepsis führte. Vorerkrankungen des Kindes oder eigenständige Organerkrankungen waren nach Angaben des Hausarztes nicht bekannt. Es fand sich auch kein Anhalt für ein Immunmangelsyndrom.

Eine hämorrhagische Pneumonie ist mir ihrem foudroyanten Verlauf die gefährlichste Erscheinungsform einer Influenzavirusinfektion. Derartig schwere Verlaufsformen können auch durch den Typ B verursacht werden. – Zu den Folgerungen aus diesem tragischen Erkrankungsfall gehört der allgemeine Hinweis, daß Schüler mit Zeichen einer beginnenden Erkältungskrankheit möglichst vom Schulsport befreit werden sollten, um unnötige Belastungen des Organismus zu vermeiden. – Wichtig erscheint auch, bei plötzlichen, vermutlich infektionsbedingten Todesfällen eine ätiologische Klärung durch eine Autopsie mit sorgfältiger mikrobiologischer Diagnostik herbeifzuführen, wie das in diesem Fall erfolgte. Der angezüchtete Influenzavirusstamm wird gegenwärtig im Robert Koch Institut einer molekularbiologischen Untersuchung (Sequenzanalyse) unterzogen.

Quelle:
Epidemiologisches Bulletin 08 / 1997

Beitrag kommentieren

Bitte einloggen um Kommentare abzugeben.