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1962 March

Pockenepidemie und Fehldiagnosen

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1962-03-14, 08:17 [Wednesday]

… “Mädchen”, sprach der Arzt zu seiner Sekretärin, “ich habe die Pocken, aber halt die Schnauze!” …

Am 15. Dezember 1958, neun Tage, nachdem der aus Indien zurückgekehrte Heidelberger Mediziner Dr. Krump diese Aufklärung erteilt hatte, erkrankte die erste Kontaktperson. Die Epidemie nahm ihren Lauf. Die Seuche erfaßte 18 Personen; zwei Pockenopfer starben.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurden die Bundesbürger drastisch an eine tödliche Seuche erinnert, die noch in den Jahren 1870 bis 1873 in Deutschland über 100.000 Menschen hingerafft hatte. Und nachdem die Heidelberger Epidemie eingedämmt worden war, warnte der Münchner Pockenforscher Professor Dr. Albert Herrlich: “Wir dürfen heutzutage aber nicht damit rechnen, daß dem Ereignis wieder lange Jahre der Ruhe folgen ”

Die Befürchtung des Professors bestätigte sich, als die Pocken 1959 nach Berlin, 1961 nach Ansbach eingeschleppt wurden. Was sich aber in den ersten zehn Wochen des Jahres 1962 ereignete, ließ die Wissenschaftler aufmerken: In keinem Jahr seit 1922 wurden in Deutschland so viele Pockenfälle registriert wie jetzt. Bis Ende vergangener Woche erkrankten in Düsseldorf, Aachen und im Kreis Monschau 28 Personen; zwei Patienten starben. Hunderte von Kontaktpersonen mußten in Quarantäne gesteckt werden.

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