… von Gregor Honsel …
Placebos
Technology Review: Sie haben untersucht, welche empirischen Belege es für die Wirksamkeit von alternativen Heilverfahren gibt. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?
… von Gregor Honsel …
Technology Review: Sie haben untersucht, welche empirischen Belege es für die Wirksamkeit von alternativen Heilverfahren gibt. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?
… Impfschutz insbesondere auch bei älteren Menschen sollte überprüft werden …
Eine 86 Jahre alte Frau starb im Juni 2007 in einer Klinik in Heidelberg an den Folgen einer Tetanuserkrankung. Die Patientin führte einen eigenen Haushalt im Haus, das sie zusammen mit ihrem Sohn bewohnte. Sie war geistig und körperlich fit und hatte immer schon viel Freude an der Gartenarbeit. Einen Hausarzt suchte sie nur selten (Blutdruckprobleme) auf, da sie nie ernstlich krank war.
… wenn Impfversagen und Krankheit zusammentreffen …
Ein 14-jähriger Junge wurde mit Kopfschmerzen, linksseitiger Ptosis, Parästhesie und Sehstörungen in die Kinderklinik der Charité Berlin eingewiesen. Die Anamnese ergab, dass er einen Tag nach dem Genuss von gegrilltem Hühnchen und drei Tage vor der stationären Aufnahme milden Durchfall hatte. Weiterhin hatte sich der Patient in der Woche davor eine kleine Schürfwunde am linken Knie auf dem Holzfußboden zugezogen, welche bei der Einlieferung im normalen Heilungszustand war. Sein Impfstatus bezüglich Tetanus war vollständig (3 Impfungen im 1. Lebensjahr, eine Auffrischungsimpfung mit 13 Jahren).
… Impfgegner diffamiert Ärzte …
Sein Feldzug gegen das Impfen brachte dem 57-Jährigen jetzt eine Geldstrafe von 1.800 Euro wegen kollektiver Beleidigung der Rosenheimer Ärzte ein. Auf seine Berufung hin bestätigte das Traunsteiner Landgericht zwar den Schuldspruch aus erster Instanz durch das Amtsgericht Rosenheim, reduzierte die Geldstrafe jedoch von 2.100 Euro auf 1.800 Euro.
Der 57-jährige Verlagsangestellte ist Vorsitzender eines Vereins, der sich dem Kampf gegen Impfen widmet. Seine Beleidigungsstraftat hatte eine längere Vorgeschichte, in der es um öffentliche Veranstaltungen des Vereins im Herbst 2001 in Rosenheim ging.
… freuen sich die, die nicht zum Sterben verdammt …
Zwei junge Männer hatten am Ende des Jahres 2000 mit dem Auto eine Reise durch mehrere asiatische Länder (Türkei, Iran, Pakistan, Indien und Nepal) unternommen. Sofort nach ihrer Heimkehr am 25.01.2001 stellten sie sich in ihrem Wohnort in der Ambulanz einer Klinik für Infektions- und Tropenkrankheiten vor. Anlass war, dass ein Hund, den sie am 22.12.2000 im Alter von ca. 2 Monaten in Nepal erworben hatten, einen der Männer gebissen hatte.
… in Abweichung von den Empfehlungen der STIKO …
Ein am 2.1.1998 in Deutschland geborenes Kind einer aus dem Libanon stammenden Familie (Asylbewerber) erkrankte am 19. September 1998 akut mit Fieber (bis 39 °C), einem Racheninfekt und Schnupfen. Eine schlaffe Lähmung des rechten Beines, die am 22.9. auftrat, führte nach der Vorstellung in der Rettungsstelle am 23.9. zur Einweisung die Kinderabteilung des örtlichen Krankenhauses. Bei der Aufnahme befand sich das rechte Bein in Abduktionsstellung und war ohne eigene Beweglichkeit.
… Säugling erkrankte an Botulismus; Tee wurde mit Honig gesüßt …
Die Eltern dachten vermutlich, sie würden ihrem Kind etwas gutes Tun, indem sie ihm keinen raffinierten Zucker im Teegetränk anboten, doch ist Honig für Säuglinge extrem gefährlich. Auch nach 4-monatigem Krankenhausaufenthalt ist das Kind noch nicht genesen.
… wenn der Impfschutz fehlt …
Im vergangenen Monat sind unabhängig voneinander zwei Diphtherie-Erkrankungen aufgetreten, über die nachfolgend berichtet wird. Bedauerlicherweise konnte nicht verhindert werden, daß ein Kind an der Diphtherieinfektion verstarb. Das Kind war nicht geimpft.
… wenn Kinder Urlaub machen …
Im Februar des Jahres sind im Zeitraum einer erhöhten Influenza-Aktivität im direkten Zusammenhang mit Gruppenfahrten zum Skiurlaub nach Österreich unabhängig voneinander zwei tödliche Influenza-Erkrankungen bei einem 7jährigen Jungen aus Baden-Württemberg Influenza B) und bei einem 13jährigen Mädchen aus Bayern (Influenza A) aufgetreten. Beide Erkrankungsfälle und ihr Umfeld wurden sorgfältig epidemiologisch nachuntersucht. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Untersuchungen:
… tödlich verlaufende Influenza-B-Infektion …
Am 17.01.1997 nahm ein 11jähriges Mädchen thailändischer Herkunft am Schwimmunterricht im Rahmen des Schulsports teil. Das Mädchen hatte zuvor über Halsschmerzen geklagt. Während des Schwimmens verließen es die Kräfte, so daß es aus dem Wasser gezogen werden mußte. Am 19.01.1997 (Sonntag) wurde das Kind einem diensthabenden Arzt vorgestellt und von diesem unter der Diagnose “Virusinfekt” behandelt, offensichtlich ohne daß es Hinweise auf einen zu erwartenden ernsten Verlauf gab. Am folgenden Tage wurde das Mädchen moribund in die Praxis des Hausarztes gebracht. Dieser stellte eine Pneumonie fest und rief sofort den Notarzt. Bereits 10 Minuten nach der Einlieferung in eine nahegelegene Kinderklinik starb das Mädchen. Einstündige Reanimationsversuche blieben erfolglos.