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[Buchrezension] Blom: Der taumelnde Kontinent

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2009-06-26, 13:40 [Friday]

… Rasante Zeiten, von Nikolaus German …

Historiker Philipp Blom
Historiker Philipp Blom
Philipp Bloms beeindruckendes Porträt über den taumelnden Kontinent am Vorabend des Ersten Weltkriegs

Jede Jahrhundertwende markiert einen Einschnitt im Bewusstsein der Menschheit. Um 1900 aber hatte man in Europa ganz besonders das Gefühl, in eine neue Epoche einzutreten. Viele Angehörige der literarisch-künstlerischen Intelligenz glaubten an die Heraufkunft eines “neuen Menschen”, betrachteten sich selbst als “Übergangsmenschen” – eine Wortschöpfung dieser Zeit, die schon ähnlich bei Friedrich Nietzsche, dem populärsten und wirkmächtigsten Philosophen des Zeitalters, vorgeprägt war.

Aber in Wirklichkeit sind wir alle und jederzeit “Übergangsmenschen” im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen den Kräften einer alten und einer neuen Zeit. Wir sind, darauf weist Philipp Blom in seinem neuen Buch über die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts hin, heterogen zusammengesetzte Mentalitäten und Identitäten, konservativ und progressiv zugleich, “gebrochene Persönlichkeiten” heute ebenso wie die Modernen um 1900. Blom hält dieses Persönlichkeitsphänomen selbst für einen Teil der Modernität und zeigt, dass viele der früheren Modernen in mancher Hinsicht ganz konservativ waren – der musikalische Neuerer Strawinsky zum Beispiel in seiner Einstellung zur bildenden Kunst. Niemand war damals “völlig modern”, betont Blom und fügt mit Blick auf unsere Zeit hinzu, auch “heute ist es niemand”.

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